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Der Tod kostet mehr als nur das Leben

2010

Für Service und Preis bei Bestattungen wird inzwischen offensiv geworben: Discounter versprechen Tiefstpreise, aber die Asche Verstorbener kann auch ins All geschossen werden. Für 25.000 Euro.

Eine günstigere, aber keine billige, sondern würdevolle Bestattungsmöglichkeit“ verspricht das Bestattungsinstitut W. Schwind im Internet und nennt auch gleich den Preis dafür: 618,80 Euro kostet eine anonyme Feuerbestattung, inklusive Mehrwertsteuer.

Immer öfter werben Bestattungsunternehmen im Internet: Die einen bieten Discount-Beisetzungen per Mausklick zum Tiefstpreis an, die anderen halten sich vorsichtig mit genauen Kostenangaben zurück, werben aber mit Luxusbestattungen, sogar im Weltraum. Schwind hat beides im Angebot und scheut sich nicht, die Kosten zu nennen: Wer die Asche eines Angehörigen auf dem Mond bestatten lassen will, muss mit etwa 25.000 Euro Kosten rechnen. Besonders hervorgehoben ist allerdings der Tiefstpreis von 618,80 Euro. Geschäftsführerin Heike Rath: „Wir bewerben das so sehr, weil gerade in der Großstadt die Leute immer mehr auf ihr Geld achten müssen.“

Trend zur Urnenbeisetzung

In diesem Betrag sind allerdings nur die Leistungen der Pietät enthalten, nicht aber die Gebühren und Friedhofskosten. „Die liegen für Urnenbeisetzungen im preiswertesten Fall bei 1088 Euro zuzüglich Kremationskosten“, sagt Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann.

Grundsätzlich sind Feuerbestattungen günstiger als Erdbestattungen. Den Trend zu Urnenbeisetzungen könne man schon seit Jahren beobachten, in Norddeutschland mehr als in Süddeutschland, in Großstädten mehr als auf dem Land, sagt Heldmann. Auch in Frankfurt wird die Urne dem Sarg immer öfter vorgezogen. Rund 66 Prozent der Verstorbenen werden verbrannt. Das hänge auf der einen Seite damit zusammen, dass Menschen immer öfter umzögen und sich nicht mehr um die Gräber kümmern könnten, und auf der anderen Seite damit, dass gesetzliche Krankenkassen seit dem Jahr 2004 kein Sterbegeld mehr zahlen, erklärt Heldmann. Viele Bestatter bieten deshalb Vorsorgemöglichkeiten wie Sterbegeldversicherungen an.

Alles eine Frage des Geschmacks

Immer öfter halten Menschen auch schriftlich fest, dass sie anonym bestattet werden wollen, und wählen damit die günstigste Form. „Dabei wird schnell vergessen, dass die Asche dann im Feld der Ungenannten, einem nicht weiter gekennzeichneten Stück Rasen auf dem Friedhof, landet“, sagt Rath. Dann hätten die Hinterbliebenen keinen Ort zum Abschiednehmen, zum Trauern. Das merken die Hinterbliebenen oft erst nach einiger Zeit: „Ein halbes Jahr nach einer anonymen Bestattung hat mich eine Frau angerufen, die eine Umbettung wollte.“ Rein rechtlich ist das im Nachhinein aber nicht mehr möglich. Trotz der steigenden Nachfrage nach billigen Möglichkeiten, jemandem das letzte Geleit zu geben, haben sogenannte Discount-Bestatter in Frankfurt und der Region bisher nicht so gut Fuß fassen können wie etwa in Berlin. Dort boomt das Geschäft mit dem Tod. Im Internet bieten unzählige Berliner Bestatter ihre Leistungen zu Dumping-Preisen an – auch bundesweit.

Das Unternehmen Rieger-Bestattungen zum Beispiel bietet auch für Frankfurt einen Komplettpreis an, der hier wegen der Friedhofskosten gar nicht denkbar wäre. Für 1509 Euro wird die Asche des verstorbenen Frankfurters allerdings in die Schweiz überführt. „Dort ist die Naturbeisetzung an bestimmten Stellen erlaubt, in Deutschland hingegen gibt es Friedhofszwang“, sagt Angelika Wiedmann von Rieger-Bestattungen, niemand dürfe außerhalb eines Friedhofs beigesetzt werden. Eine Ausnahme gibt es für Asche, die kann auch dem Meer übergeben werden. „Bei einer Fluss- oder Waldbestattung in der Schweiz entfallen natürlich die Friedhofskosten. Trotzdem ist das schon eine Geschmacksfrage, weil es so weit weg ist“, räumt Wiedmann ein. Aufträge aus Frankfurt bekomme das Bestattungsunternehmen etwa drei- bis viermal im Jahr.

Das Sozialamt kann die Kosten übernehmen

Auch Willi Peter Heuse, Vorstandsmitglied des Bestatterverbands Hessen, hält Billigbeisetzungen für eine Geschmacksfrage. Er vergleicht die Berliner Discount-Bestatter mit dem Flugunternehmen Ryan Air: „Wenn man irgendwelche Zusatzleistungen möchte, dann zahlt man gleich einiges mehr.“ Eine solche Zusatzleistung wäre zum Beispiel die Verpflichtung eines Trauerredners. Neben der Tendenz zur Billigbestattung beobachtet Heuse aber auch das Gegenteil, nämlich den Wunsch nach einer würdigen Form des Abschieds: „Immer mehr Menschen setzen sich mit dem eigenen Tod auseinander und sagen: So wie man dann mit mir umgehen soll, gehe ich auch mit anderen um.“ Auch Trauerbegleitung durch die Pietäten werde immer öfter in Anspruch genommen.

Viele können trotz Billigbestattern und Möglichkeiten zur Ratenzahlung eine Beisetzung nicht finanzieren. Zahlungspflichtig ist rechtlich der Erbe oder der nächste Angehörige des Verstorbenen. Wenn der nicht zahlungsfähig ist, übernimmt das Sozialamt die Kosten. „In Frankfurt liegen die je nach Bestattungsart bei etwa 3000 Euro. Der Antragsteller darf sich aussuchen, ob er eine Erd- oder Feuerbestattung will“, sagt Katja Disser vom Sozialamt. Oft dauere es lange, auszumachen, wer der Zahlungspflichtige sei und ob er Anspruch auf das Geld habe. Heuse: „Viele Bestatter treten dann in Vorleistung. Viele haben noch Rechnungen im Wert von bis zu 20 000 Euro offen.“ Einige Pietäten lehnten deshalb Sozialbestattungen von vornherein ab.

Aber was, wenn es überhaupt keinen Bestattungspflichtigen gibt und der Verstorbene keine Vorsorge getroffen hat? Dann bestattet das Ordnungsamt den Verstorbenen und übernimmt die Kosten. „Wenn kein anderer Wunsch des Toten bekannt ist, wird er in einer Urne in einem Reihengrab mit Holzkreuz beigesetzt“, sagt Reiner Liedtke vom Ordnungsamt, „dafür zahlen wir normalerweise etwas weniger als 2000 Euro.“ Obwohl eine anonyme Bestattung günstiger wäre, stehe bei jedem, der es sich nicht ausdrücklich anders gewünscht habe, sein Name auf dem Kreuz.

 

Foto: Richard Zink

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